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Bunzlauer Keramik

Als Bunzlauer Keramik werden keramische Waren aus der heute polnische Stadt Bolesławiec (bis 1945 Bunzlau, Niederschlesien)und der umgebenden Region bezeichnet. Die in Bunzlau gefertigte Keramik hatte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 eine große wirtschaftliche Bedeutung, und zeichnete sich besonders durch ihr typisches Dekor und ihre Feuerfestigkeit aus.

 

Bunzlauer Keramik fand Verbreitung in Deutschland und sogar weltweit in Ländern wie Holland, Skandinavien, England die Schweiz und selbst nach Übersee. Kennzeichnend für Bunzlauer Keramrik war eine Lehmglasur, die der Keramik einen kräftigen, glänzend-braunen Farbton verleihte. Sie stellt die älteste Vezierungsform dar. Ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kam das sogenannte Schwämmeldekor oder Schwammdekor auf, bei mit sogenannten Elefantenohrschwämmen kleine farbige Ornamente aufgestempelt wurden. Bei Schwämmeldekor ser beliebt waren die sogenannten Pfauenaugen, konzentrische Tupfer in verschiedenen Farben, die durch Engobe- und Pinselmalerei ergänzt wurden. Relativ jung ist die Verzierung mit Spritzdekor, die erst mit der Entwicklung elastisch anliegender Schablonen nach dem Ende des 1. Weltkrieges aufkam. Keramik mit Schwämmeldekor erhielt bei der Londoner Weltausstellung 1905 in London ein Goldmedaille cadmium- und bleifreies Geschirr.

 

Weitere herausragende Eigenschaften der Bunzlauer Keramik waren die Temperaturwechselbeständigkeit und ihre Freiheit von Haarrissen. Bunzlauer Keramik etablierte sich daher im Laufe der Zeit als Zierkeramik mit ihren stilbildenden Verzierungen für repräsentative Gefäße, Blumenvasen, Leucher, Schalen oder Aschenbecher und in unverzierter Form Küchengerät für Backformen, Kochtöpfe, Topfsiebe, Kannen, Schüsseln und Tischgeschir. Zum Tischgeschirr zählten unter anderem die als typisch schlesische Produkte geltenden "Tippel" (große Tassen) sowie "Krausen" (kleine henkellose Töpfe) für Honig oder Marmelade.

 

Nach der Vertreibung im Jahre 1945 nahmen einzelne Bunzlauer Töpfer ihre Tätigkeit an ihren neuen Wohnorten wieder oder ließen sich dort nieder wo ein Töpfergewerben aufgrund von geeigneten Tonvorkommen bereits etabliert war. Auch polnische Manufakturen führen die Tradition der Bunzlauer Keramik wieder fort. Diese werden zwar nicht mehr auf der Töpferscheibe, jedoch unter Verwendung der alten Formen und nach wie vor in Handarbeit hergestellt.

 

Besonders in Bolesławiec haben sich mehrere Manufakturen etabliert, die fast ausschließlich Bunzlauer Keramik produzieren. Bei der Herstellung wird auf chemische Stoffe jeglicher Art verzichet. Aufgrund Ihrer hohen Qualität und ihrer Feuerfestigkeit ist Sie auch für moderne Geschirrspüler, Backöfen und Mikrowellen bestens geeignet.
 

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